Kurznachrichten

Kohleausstieg: Forschung zur Zukunft der Spree

Wegfall von Tagebauwasser droht den Fluss stark zu schwächen

Cottbus (CB)
Mittwoch 28. Oktober 2026
Oberlausitz
Niederlausitz
2 min

Mit dem Braunkohleausstieg könnte die Spree erheblich weniger Wasser führen. Welche Folgen der veränderte Wasserhaushalt für Feuchtgebiete, Wälder und historische Parks hat, untersucht das Forschungsprojekt BioFLOWLAND in der deutsch-polnischen Grenzregion. Die TU Berlin koordiniert das Vorhaben unter Leitung von Prof. Dr. Irina Engelhardt. Bis zum 30. Juni 2029 erhält es knapp zwei Millionen Euro aus dem Programm Interreg VI A Brandenburg–Polen.

Warum der Spree Wasser fehlen könnte

Über Jahrzehnte wurde Grundwasser aus den Lausitzer Tagebauen abgepumpt und als Sümpfungswasser unter anderem in die Spree und die Schwarze Elster geleitet. Mit dem Förderende entfällt dieser künstliche Zufluss. Gleichzeitig wird Wasser für die Flutung ehemaliger Tagebaue benötigt. Dadurch könnte die Spree stark schrumpfen. Betroffen wären dabei auch die Berliner Trinkwasserversorgung, Industrie und Spreewald.

Als mögliche Gegenmaßnahme wird gerade eine Überleitung von Elbwasser in die Spree geprüft. Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin haben dazu ein Gutachten beauftragt. Der BUND Sachsen warnt hier aber vor zusätzlichen Belastungen der Elbe und der Bau würde einschließlich Planung auch 15 bis 20 Jahre dauern.

Spreewald zwischen Wasserrückhalt und Verdunstung

Schon jetzt soll aber BioFLOWLAND untersuchen, wie sich Kohleausstieg und Klimawandel gemeinsam auf wasserabhängige Ökosysteme auswirken. Im Spreewald modelliert das Team dafür unterschiedliche Wasserstände an den Wehren. Höhere Stauziele können Feuchtgebiete mit Wasser versorgen, zugleich aber den Abfluss Richtung Berlin verringern und durch größere Wasserflächen die Verdunstung erhöhen.

Saftflusssensoren sollen dabei erfassen, wie viel Wasser verschiedene Baumarten an die Atmosphäre abgeben. Daraus können Empfehlungen für einen möglichen Waldumbau entstehen, besonders an den Rändern des Erlenhochwaldes. Behörden, Biosphärenreservat und Bevölkerung sollen daran mitwirken.

Branitzer Eichen und gemeinsame Wassermodelle

Ebenso im Branitzer Park in Cottbus prüft das Forschungsteam Zusammenhänge zwischen geschädigten Bäumen, Grundwasserveränderungen und Wasserqualität. Erhöhte Sulfatwerte wurden bereits gemessen. Ob sie zur Schädigung alter Eichen beitragen, wird untersucht. Gemeinsam mit der Branitzer Baumuniversität und der Fürst-Pückler-Stiftung werden mikrobiologische Verfahren erprobt, die Sulfat im Boden umwandeln sollen.

Ein dreidimensionales Modell soll Grundwasserbewegungen sowie Eisen- und Sulfattransport nachvollziehen. Mit der BTU Cottbus-Senftenberg entwickelt das Projekt außerdem vereinfachte Modelle für polnische Untersuchungsstandorte. In der Woiwodschaft Lubuskie werden Bürgerinnen und Bürger geschult, hydrologische Daten zu erheben.

Ziel des Projektteams ist eine grenzüberschreitende Strategie, die wasserabhängige Ökosysteme gegenüber den Folgen von Kohleausstieg und Klimawandel widerstandsfähiger macht.


Foto: SFPM, Andreas Franke

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