Kurznachrichten

Alice im Wunder-Rosenland

Der Soundtrack dazu

Cottbus (CB) | Spree-Neiße (SPN)
Montag 17. August 2026
Niederlausitz
8 min

DJ Easy Pebble über Rosentrance, den sanften Rausch der Sinne und einen Abend zwischen Realität und Fantasie

Von: C.M.Schwab

Mit „Rosentrance“ entsteht Ende August im Ostdeutschen Rosengarten Forst ein ungewöhnliches Veranstaltungsformat. DJ Easy Pebble und das Team von Unisono Event verwandeln das Areal an den Großen Wasserspielen in einen audiovisuellen Erlebnisraum. Im Gespräch erklärt der Künstler, warum ihn an diesem Abend weniger die Tanzfläche als Stimmungen interessieren, weshalb der Rosengarten selbst die Hauptrolle spielt und warum man für besondere Wahrnehmungen keine bewusstseinserweiternden Substanzen braucht.

Der Titel „Rosentrance“ macht neugierig. Was verbirgt sich dahinter?
Zunächst einmal der Rosengarten und das Motto des diesjährigen Rosengartensonntags „Hanf- süchtig nach Garten“. Der Begriff „Trance“ wird häufig missverstanden. Schaut man nach, findet man, abgesehen davon dass es auch eine gleichnamige Spielart des Techno gibt, Beschreibungen wie einen veränderten Bewusstseinszustand, verbunden mit intensiver Konzentration und gleichzeitig tiefer Entspannung. Das klingt sehr wissenschaftlich. Mich interessiert daran aber etwas ganz Einfaches: dieser Moment, in dem man den Alltag für eine Weile hinter sich lässt. Wenn man ganz im Augenblick aufgeht, die eigene Fantasie spielen lässt. Wenn Licht, Musik, Natur und Atmosphäre zusammenwirken und etwas in Bewegung bringen. Oder verlangsamen. Man kann sich verzaubern lassen.
Rosentrance ist deshalb keine musikalische Stilrichtung. Es ist vielmehr die Einladung, sich auf einen besonderen Ort und einen besonderen Abend einzulassen. Wie jeder diesen erlebt, wird sehr individuell sein.

„Man kann sich verzaubern lassen.“

Viele verbinden einen DJ mit Tanzfläche, Beats und Party. Warum passt das hier nur bedingt?
Natürlich, als DJ misst man sich gewöhnlich selbst an der Aktion auf der Tanzfläche. Aber an diesem Abend liefere ich eher einen Soundtrack. Voraussichtlich werde ich sehr verhalten mit Grooves arbeiten. Allerdings habe ich schon immer gern live Klangcollagen zu unterschiedlichen Events, Orten, Gebäuden und Situationen zelebriert, wo es eher um Stimmungen geht. Wenn ich merke, dass Menschen sich darauf einlassen, dann habe ich mein Ziel bereits erreicht.

Sie sprechen von einer audiovisuellen Reise. Wohin soll diese Reise führen?
Da wird nichts vorgegeben. Ich bin eher Reisebegleiter und verfüge auch nur über die grobe Reiseroute, die sich zudem während der Reise auch noch verändern kann. Die Richtung kenne ich – die verschiedenen Wege entdecken wir gemeinsam. Der Rosengarten selbst liefert zudem bereits viel Orientierung am Wegesrand: die Blüten, die alten Bäume, die Wasserspiele, der Duft, später die Dämmerung. Dazu kommt das Lichtkonzept von Unisono Event. Gemeinsam entsteht eine Atmosphäre, in der jeder seine eigene Geschichte erleben kann – vielleicht fühlt sich der eine an diesem Abend ein wenig wie Alice im Wunderland. Kopfkino.

„… ein wenig wie Alice im Wunderland.“

Welche Rolle spielt dabei der Rosengarten selbst?
Die des Hauptdarstellers. Ich empfehle, vor dem Beginn des Events einen ausgiebigen Spaziergang durch den Park zu machen. Der Rosengarten ist nicht nur eine Kulisse, er ist Inspirationsquelle. Wir möchten ihn etwas anders erleben lassen. Die landschaftsgärtnerische Gestaltung liefert bereits viel. Wir unterstützen mit Licht, Klang und vorsichtigen Effekten. Grundsätzlich ist die Idee ja nicht neu. Seit Jahrhunderten nutzen Gartenkünstler Licht, Landschaft und Perspektiven, um Stimmungen zu erzeugen. Fürst Pückler dachte die Parkgestaltung so weit, dass er die Wirkung von Baum- und Strauchgruppen auch bei Mondlicht mitbedachte. Und so ist auch der Rosengarten mehr als eine botanische Sammlung. Er ist eine Landschaft – und mit dieser arbeiten wir.

„Es braucht keine Substanzen, um intensive Wahrnehmungen zu erleben.“

Der Sonntag steht unter dem Motto „Hanf - süchtig nach Garten“. Gibt es einen Zusammenhang zu Rosentrance?
Sicher. Unmittelbar vor Rosentrance findet eine Talkrunde über die Legalisierung von Cannabis und seine gesellschaftlichen Auswirkungen statt. In manchen ethnischen Trance-Ritualen spielen bewusstseinserweiternde Substanzen, so auch Marihuana, tatsächlich eine Rolle. Aber wir vollziehen hier ja kein Ritual. Mich interessiert genau das Gegenteil. Es braucht keine Substanzen, um intensive Wahrnehmungen zu erleben. Es braucht in erster Offenheit, sich auf eine besondere Atmosphäre einzulassen. Deshalb spreche ich lieber von einem sanften Rausch der Sinne. Ohne Nebenwirkungen.

Was meinen Sie mit diesem „sanften Rausch der Sinne“?
Versuch macht klug, hat meine Oma immer gesagt. Das Wort Rausch ist ja negativ besetzt. Aber jeder kennt dennoch im positiven Sinn solche Momente. Beim Tanzen. Beim Hören eines exzellenten Konzerts. Beim Erleben eines Sonnenuntergangs. Oder wenn man einen Berggipfel erreicht und plötzlich von der Landschaft schier überwältigt wird. Entscheidend ist das Wort sanft. Rosentrance wird keine spektakuläre Actionshow. Wir respektieren den Ort. Und vielleicht entsteht gerade dadurch eine besondere Wirkung.

Wie entsteht eine solche Klangreise?
Lange vor der Veranstaltung. Mehrere Vorortbegehungen. Planung der Installation, Einsatz der Technik. Wochenlanges Musikhören, Sammeln, Sortieren, Entwicklung des „Fahrplans“. Dabei spielt der tageszeitliche Ablauf eine große Rolle. Ende August herrscht um 19 Uhr fast noch Tageslicht. Dann dunkelt es allmählich. Das alles beeinflusst allein schon die Wahrnehmung an sich. Deshalb bleibt trotz aller Vorbereitung der Abend eine Live-Inszenierung. Wie es im Detail abläuft, wird sich zeigen. Es gibt halt Umstände, die wir schwer beeinflussen können. Das Wetter, Bewölkung, Temperatur, auch die Konstellation des Publikums. All das beeinflusst die Dramaturgie. Wir sind nicht in einem sterilen Theatersaal. Gerade das macht den Reiz solcher Veranstaltungen aus. Es bleibt ein Abenteuer, auch für mich. Ich liebe das.

„Es bleibt ein Abenteuer, auch für mich. Ich liebe das.“

Welche Musik erwartet die Besucher?
Das Repertoire ist vielschichtig. Mich interessiert nicht das Genre. Mich interessiert die Wirkung. Elektronische Musik wird sicher bestimmend sein, es werden aber auch klassische Elemente, Naturklänge, Gesang und surreale Elemente eine Rolle spielen. Am schönsten wäre es, wenn niemand mehr darüber nachdenkt, was eigentlich zu hören ist. Neugier könnte hier hilfreich sein und auch eine gewisse Portion Humor.

„Mich interessiert nicht das Genre. Mich interessiert die Wirkung.“

Wieso Humor?
Nun, allein dieses Interview droht schon, das Event von vorneherein zu verkopfen. Wir halten im Rosengarten keinen musikpsychologischen Vortrag. Es soll Spaß machen. Rosentrance ist zwar ernstgemeint, man sollte es aber nicht zu ernst nehmen. Take it easy, lay back!

„Rosentrance ist ernstgemeint. Man sollte es aber nicht zu ernst nehmen.“

Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit Unisono Event?
Eine sehr große. Licht- Tontechniker sind für mich keine Dienstleister, die einfach nur verkabeln und Regler bedienen. Sie können kreative Mitgestalter sein. Dazu ist allerdings ist nicht jeder bereit und in der Lage. Wir planen die Umsetzung gemeinsam. Das schließt das Reagieren auf den Moment ein. Christian Hageleit, Mastermind von Unisono, habe ich bereits bei früheren Produktionen als professionellen und mitdenkenden Partner erlebt. Man entwickelt gemeinsam einen Show, doch während der Veranstaltung interagiert und improvisiert man auch.

Du hast schon vor einigen Jahrzehnten solche Inszenierungen entwickelt, einige gelten als legendär …

Ist lange her. Mein Alterego, ich sage immer spaßeshalber mein Zwillingsbruder, bewegt sich ja mittlerweile in der PR-Branche, ist Dienstleister für Unternehmenskommunikation. Aber davor hatte die Eventproduktion inkl. der Inszenierung von Shows und Partys mein Berufsleben bestimmt. Ganz hat mich das nie losgelassen. Rosentrance ist die verhaltene Fortsetzung einer Leidenschaft, die mich seit Beginn meines Berufslebens begleitet. Begonnen hat das Ende der 80er mit eher avantgardistischen Veranstaltungen, in den 90ern habe ich mich dann mit psychedelischen Performances beschäftigt. Unvergessen ist für mich Gelegenheit, Ende im Huxleys Neue Welt Berlin das erste große Deutschland-Event der britischen Technopop-Band Faithless optisch garnieren zu dürfen. In Cottbus habe ich zweimal den Spremberger Turm audiovisuell inszeniert. Während der Bundesgartenschau in Cottbus gab es dann einige größere Veranstaltungen unter meiner Verantwortung. Anlässlich des 150. Jubiläums des Pückler-Parks Branitz schließlich hatte ich die Gelegenheit, auch Fantasy-Inszenierungen, wie z.B. „Dornröschen“, zu gestalten. Mit dem Highlight „Die Auferstehung“, eine Megashow mit Laser, Feuer und über hundert Mitwirkenden mitten in der Lausitzmetropole habe ich mich dann vom Showbiz verabschiedet. Kleinere, aber besondere Auftragsevents waren dann später u.a. die Eröffnung eines Mercedes AMG-Centers und die Produktion einer nächtlichen Tanzperformance am Wasserspielplatz im Eliaspark Cottbus.
Mich hat immer fasziniert, Räume zu gestalten und Menschen nicht alltägliche Erlebnisse zu ermöglichen. Dabei kommt es nicht auf die Größe eines Areals an. Am Ende spielt allerdings das Budget immer eine wesentliche Rolle.

Viele Veranstaltungen werden immer größer, lauter und spektakulärer. Rosentrance scheint bewusst einen anderen Weg zu gehen.
Nichts gegen große und laute Events. Alles hat seine Zeit. Es gibt auch noch meinen Drillingsbruder DJ The Rockin`Pebble, der, wie der Name schon sagt, Clubs, z.B. US-Car-Meetings oder private Feiern „rockt“. Aber das hat nichts mit dem Rosengarten zu tun. Die Idee zu diesem speziellen Sonntag im Rosengarten stammt übrigens von Ute Hachenberger aus dem Team des Kulturbetriebes der Stadt Forst. Sie sprach mich an, ob ich mir eine audiovisuelle Inszenierung an den Wasserspielen vorstellen könne. Ich musste nicht lange überlegen und habe dann aus ihrer Idee das Format Rosentrance entwickelt.

Was wünschen Sie sich, wenn die Besucher gegen 22 Uhr den Rosengarten verlassen?
Dass sie berührt nach Hause gehen. Wunderbar wäre es, wenn sie den Rosengarten künftig mit anderen Augen sehen und wieder besuchen - auch ohne Illuminierung und klangliche Begleitung.

Ist Rosentrance ein einmaliges Experiment?
Etwas Neues zu wagen, hat immer einen experimentellen Charakter. Ob einmalig, wird sich zeigen. Ob daraus mehr wird, entscheiden die Besucher, das Wetter und viele andere Faktoren. Setzen wir voraus, dass alles gut läuft, dann würde ich mich freuen, wenn Rosentrance im nächsten Jahr wieder stattfindet und sich daraus eine Sommernachtsparty oder ein -ball entwickeln kann.
Aber zuerst muss Rosentrance seinen eigenen Zauber entfalten.

(Das Gespräch führte C.M. Schwab)

DJ Easy Pebble verzaubert mit seinem Live-Soundtrack den Ostdeutschen Rosengarten Forst.
DJ Easy Pebble verzaubert mit seinem Live-Soundtrack den Ostdeutschen Rosengarten Forst.
Foto: Thomas Goethe/Grafische Inszenierung: Tudyka.PR/AI
2019 sponserte Tudyka.PR die Produktion einess Benefiz-Event am Wasserspielplatz Eliaspark für die Bürgerstiftung Cottbus. DJ Easy Pebble lieferte den Soundtrack für die erformance des Berliner Tänzers Christoph Viol.
2019 sponserte Tudyka.PR die Produktion einess Benefiz-Event am Wasserspielplatz Eliaspark für die Bürgerstiftung Cottbus. DJ Easy Pebble lieferte den Soundtrack für die erformance des Berliner Tänzers Christoph Viol.
Foto: Helbig
DJ Pebble im Einsatz auf einem kultigen Hoffest in der Lausitz.
DJ Pebble im Einsatz auf einem kultigen Hoffest in der Lausitz.
Foto: Tudyka.PR
DJ The Rockin`Pebble, der Drillingsbruder von DJ Easy Pebble, legt völlig andere Musik auf. Er rockt Clubs und private Parties.
DJ The Rockin`Pebble, der Drillingsbruder von DJ Easy Pebble, legt völlig andere Musik auf. Er rockt Clubs und private Parties.
Foto: Thomas Goethe/Layout: Tudyka.PR/AI
Das Areal der Großen Wasserspiele überzeugt allein schon durch seine phantastische Gartenarchitektur.
Das Areal der Großen Wasserspiele überzeugt allein schon durch seine phantastische Gartenarchitektur.
Foto: Jolanta Imbierska

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